Auswürgen von Futtertieren

"Meine Kornnatter kotzt!"
"Korni erbricht Maus!"
"Korni würgt Futter aus!"
"Hilfe, Kornnattern kotzen!"

Dies sind sehr häufige Überschriften eines Forenthema. Leider nimmt die Zahl dieser Themen zu anstatt ab.

Dieser Beitrag soll helfen, die Dringlichkeit einer angemessenen Hygiene zu erkennen und mögliche Gründe des Erbrechens von Futtertieren aufzeigen. Die möglichen Ursachen sind damit nicht ausgeschöpft, es kann noch andere Gründe haben. Für eine erste systematische Problemanalyse ist dieser Artikel aber geeignet.



Auswürgen der Futtertiere

Das Auswürgen einer Futtermaus ist für eine Schlange ähnlich anstrengend und unangenehm wie das Erbrechen beim Menschen. Schlangen zerkleinern ihre Mahlzeit nicht durch kauen, sondern verschlingen das Futter in einem Stück. Sie verfügen daher über eine weitaus aggressivere Magensäure als der Mensch. Die Schleimhäute sind nach dem Auswürgen eines Futtertiers stark gereizt. Dem Tier sollte daher frisches Wasser gegeben werden und bis zur nächsten Fütterung sollten mindestens 7 Tage vergehen. In dieser Woche kann sich die Schleimhaut und der Magen beruhigen bzw. regenerieren. Wird schon nach wenigen Tagen ein neuer Fütterungsversuch unternommen, kann diese Schleimhautreizung bereits ein Grund für erneutes Auswürgen sein. Mehrmaliges Auswürgen innerhalb kurzer Zeit kann zu einer Magenschleimhautentzündung führen.


Es gibt unterschiedliche Gründe warum eine Futtermaus ausgewürgt wird, die Häufigsten sind:

  • Die Kornnatter ist in der Häutung.
    Eine bevorstehende Häutung erkennt man an der blassen Haut und den weiß-grauen Augen (siehe Artikel Häutung). In der Häutungsphase ist der Wasserhaushalt der Kornnatter nicht optimal. Die Energie wird für die Häutungsvorbereitung verwendet und der Stoffwechsel reduziert. Futtermäuse können somit nicht optimal verdaut werden. In der Regel nimmt die Kornnatter in dieser Zeit kein Futter an und es sollte auch kein Fütterungsversuch unternommen werden.
  • Die Temperatur ist zu hoch oder niedrig.
    Bei zu hoher Temperatur (>30 Grad) vergammelt die Maus im Magen der Kornnatter zu schnell. Die verdorbene Maus wird dann nach wenigen Tagen ausgewürgt. Ist die Temperatur zu niedrig (<25 Grad), ist die Verdauungstätigkeit der wechselwarmen Schlange eingeschränkt. Schlangen können keine eigene Körperwärme erzeugen. Die Maus wird dann nach 5-7 Tagen ausgewürgt.
  • Das Tier hat Stress
    Für die Verdauung ziehen sich Schlangen in ein ruhiges Versteck zurück. Sie fühlen sich mit der Maus im Magen ungeschützt. Viel Stress und Aufregung kann die Schlange dazu bringen, das Futter auszuwürgen um mobiler und fluchtfähig zu sein. Eine Kornnatter, die gerade gefressen hat, soll daher nicht herausgenommen und erst recht nicht transportiert werden. Des Weiteren benötigt eine Kornnatter mindestens eine Woche Eingewöhnungszeit in einem neuen Terrarium, nach dieser Zeit kennt sie die Wärmeregionen und Verstecke des neuen Heims. Wenn Sie früher füttern, bedeutet dies ebenfalls Stress, welcher zum Auswürgen der Futtermaus führen kann.
  • Futtertier war zu groß.
    Zu große Futtertiere können nicht rechtzeitig verdaut werden, bevor sie verderben. Die Reste einer zu großen Futtermaus werden dann nach ca. 5-7- Tagen wieder ausgewürgt. Oft ist im diesem Fall nur noch Fell erkennbar, die Maus als solches aber nicht mehr. War die Futtermaus jedoch übermäßig groß, kann die Kornnatter sie auch bereits nach einem Tag wieder auswürgen. Als Faustregel gilt: das Futtertier sollte im Durchmesser nicht größer als der doppelte Kopfumfang der Schlange sein.
  • Futtertierqualität war schlecht.
    Die kann z.B. bei Frostmäusen vorkommen, bei denen die Kühlkette nicht eingehalten wurde. Einmal aufgetaute Frostmäuse verderben sofort und dürfen nicht wieder eingefroren werden. Frostfutter von schlechter Qualität hat auch sehr oft Gefrierbrand. Ein gewisser Grad ist verträglich, sensible Tiere würgen jedoch Frostfutter mit zu viel Gefrierbrand oder Druckstellen wieder aus.
  • Futtertier war nicht richtig aufgetaut.
    Die Frostmäuse müssen richtig aufgetaut sein. Ist die Maus innerlich noch kalt, kann dies ebenfalls zum auswürgen beitragen. Am Besten die Füttermäuse im warmen Wasserbad auftauen.
  • Situationsbedingt.
    Hin und wieder kommt es auch vor, dass eine Kornnatter das Futter ohne Grund auswürgt. Dies ist aber selten und kommt nicht mehrmals hintereinander vor.
  • Schwächelnde Konstitution.
    Nach einem langen Transport ohne Flüssigkeit, vor allem US-Importen, sind gerade Jungtiere sehr geschwächt. Der Wasserhaushalt ist durcheinander und der Transportstress hat die Kräfte aufgezerrt. Nach dieser Tortur sollte keine Fütterung durchgeführt werden. Den Tieren sollte schnellstmöglich Wasser gegeben werden und ausreichende Ruhe. Schwächelnde Konstitution kann auch durch verschiedene Krankheiten oder Futterpausen vorliegen. Das Verdauen einer Maus kostet Kraft und Energie, fehlt diese, wird die Maus ausgewürgt. Es ist daher ratsam, mit sehr kleinen Futtereinheiten zu beginnen um die Reserven aufzubauen.
  • Krankheitsbedingt.
    Es gibt mehrere Krankheiten, die zum Auswügen der Futtertiere führen. Meist handelt es sich um Magen- oder Darmparasiten. Diese nisten sich in den Schleimhäuten ein und verursachen eine Entzündung. Ohne rasche medikamentelle Behandlung sind diese Parasitenbefälle tödlich. Ob ein Befall vorliegt, kann mittels einer Probe im Labor analysiert werden (siehe unten). 
    Befinden sich mehrere Tiere im Terrarium, ist die Zuordnung, vom welchem Tier die erbrochene Maus stammt, oft sehr schwierig. Sie sollten in diesem Fall die Tiere eine gewisse Zeit in separate Boxen setzten und in das Terrarium stellen. Dies erleichtert zudem eine ggf. notwendige Kotprobenzuordnung. Durch die Boxen bleiben die Tiere getrennt, dass Klima des Terrarium wird jedoch durch Luftaustausch in die Boxen übertragen.

 


Ab wann muss ich mir Sorgen machen?


Da, wie bereits erläutert, das Auswürgen auch situationsbedingt vorkommen kann, sollte man beim plötzlichen Würgen eines einzelnen Tieres erstmal die oben genannten Gründe abklären. Sind die Gründe auszuschließen, setzen wir das Tier bei der nächsten Fütterung (mind. 1 Woche Pause) in eine separate Box auf Zeitungspapier. Dadurch sehen wir eine erbrochene Maus besser und können ggf. eine Kotprobe entnehmen, zusätzlich wirkt die Druckerschwärze der Zeitung antibakteriell.

Bei zweimaligem Auswürgen hintereinander sollte man stutzig werden. Spätestens jetzt ist das Tier allein zu setzten. Die ausgewürgte Maus sollten Sie direkt in ein Labor zur parasitologischen Untersuchung schicken. Ein entsprechendes Formular mit Adresse und allen notwendigen Angaben finden Sie im Downloadbereich auf Kornnatter.de.

Sollten mehrere Tiere gleichzeitig bzw. in kurzen Zeitabständen anfangen zu brechen, ist eine sofortige Untersuchung anzuraten. In diesem Fall nicht bis zum weiterem Erbrechen warten.


Für eine parasitologische Untersuchung eignen sich folgende Proben:

  • Kotprobe
    Eignet sich besonders bei Darmparasiten (z.B. Amöben und Flagellaten) und bedingt bei Magenparasiten. Für die Bestimmung von Magenparasiten (z.B. Chyptosporidien) muss ein ausreichender Befall bereits vorhanden sein damit diese ausgeschieden und nachgewiesen werden können.
  • Erbrochene Maus oder Magenspülung
    Eignet sich besonders bei Verdacht auf Parasiten in der Magenschleimhaut ( z.B. Chryptosporidien). Bei der Einsendung der erbrochenen Maus muss diese frisch sein, d.h. vom gleichen Tag. Bereits eingetrocknete Mäuse eignen sich nicht zur Probe.
    Eine Magenspülung wird mit einer Spritze und einem Babykatheter durchgeführt. Der Magen wird mehrmals vorsichtig mit Wasser gefüllt und abgesogen. Die Wassermenge der Spülung richtet sich nach der Größe des Tieres. Anhaltspunkte gibt die Größe bzw. das Volumen der entsprechenden Futtertiere. Eine Magenspülung sollte nur vom erfahrenen Halter oder einem Tierarzt durchgeführt werden.
  • Darm- bzw. Kloakenabstrich
    Ähnlich wie Kotprobe. Durch den Abstrich der Kloacke mittels eines Wattestäbchens erhält man kleine Kotreste. Diese reichen bei strakem Befall für eine Untersuchung aus. Derartige Proben sind aber nur ratsam, wenn eine Kotausscheidung wegen leerem Darms nicht möglich ist, d.h. dass Tier schon länger nicht mehr gefressen hat. 
    Im Falle eines positiven Befundes erhalten sie vom untersuchenden Institut weitere Anweisungen und Medikamentierungsvorschläge.

Liegt eine Erkrankung vor, ist die Hygiene unbedingt zu überdenken. Parasitologische Erkrankungen sind teilweise hochgradig ansteckend. Der Übertragungsweg kann die Handfläche des Halters oder sogar kleinste Fruchtfliegen sein. Auch Zwichenträger wie z.B.: krankes Tier-> Hand -> Türklinke oder Futterzange -> Hand -> gesundes Tier sind möglich. Es gibt gefährliche, nicht seltene Einzeller (z.B. Chryptosporidien) die außerhalb des Wirtes mehrere Monate überleben können, also theoretisch auch auf der Türklinke und im Terrarium. Ich rate daher dringend zur Benutzung von Einmalhandschuhen beim Umgang mit erkrankten Tieren. Die gilt ebenso bei neuen Tieren in Quarantäne.

Noch ein wichtiger Hinweis, auch wenn er bei der Lektüre dieses Artikels für die meisten wohl zu spät kommt: Neue Tiere, gerade von Börsen oder Ausstellungen, immer in Quarantäne setzen! Vor allem, wenn Sie bereits andere Reptilien oder Nager, egal welcher Art, besitzen.


Quarantäne bedeutet:

  • Das Tier alleine in ein Quarantäneterrarium setzen (z.B. eine Faunabox),
  • der Bodengrund ist Zeitungspapier (antibakteriell, erleichtert Reinigung und Probenentnahme),
  • wenn möglich das Quarantäneterrarium in einen anderen Raum stellen,
  • nicht mit bloßen Händen anfassen, Übertragungsgefahr medizinisches Desinfektionsmittel, oder besser -Einmalhandschuhe benutzen die Quarantäne mindestens 8 Wochen einhalten.


Sehr viele Tiere sterben jedes Jahr durch eingeschleppte Krankheiten. Mit einer ordentlich durchgeführten Quarantäne kann man Vieles vorbeugen.
Wichtig! Wenn Ihr auffälliges Tier mit anderen Kornnattern zusammen in einem Terrarium sitzt, bitte umgehend separieren.


Als Desinfektionsmittel gibt es mehrere Präparate. Leider wirken die meisten nicht gegen hartnäckige Chryptosporidien, gerade wo diese sehr schlecht, einige Veterinäre meinen sogar überhauptnicht, zu behandeln sind. Es sind mir nur zwei Desinfektionsmittel bekannt, die eingeschränkt wirken: WOFA Steril und Neopredisan. Wobei eine Einwirkzeit von 40-60 Minuten bei Chryptosporidien beide Mittel für eine Handdesinfektion disqualifizieren.

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