Bau eines Inkubators

Zum Brüten von Eiern benötigt man konstante Temperaturen. In der Natur sucht eine Kornnatter lange nach einem geeigneten Ablageplatz für ihre Eier. Eine Brutpflege wird von Kornnattern in der Regel nicht geführt. Die Temperaturschwankungen dieses Ablageplatzes sollten so gering wie möglich sein. Das Ausbrüten von Reptilieneiern in Gefangenschaft unter laborähnlichen Bedingungen nennt man "Captive Breeding". Welche Bedingungen vorherrschen müssen, die Beschaffenheit des Brutsubstrats und was sonst bei der Brut zu beachten ist, finden Sie in einem anderen Beitrag. In Gefangenschaft werden Eier mit einem Brutschrank, einem sog. Inkubator (engl. Incubator) ausgebrütet. Andere Begriffe sind Kunstglucke, Brüter, Brutkasten, Wärmeschrank oder Motorbrüter.

Die Industrie bzw. professionelle Kornnatterzüchter benutzen Brutschränke bzw. Labor-Wärmeschränke. Diese kommen aus der Labor- und Geflügelzucht. Derartige Inkubatoren können mit der hier beschriebenen Technik und einem umgebauten Kühlschrank ebenfalls nachgebaut werden. Der Nachbau wird seine Dienste ähnlich gut verrichten, wie die teuren Profigeräte. Sehen Sie daher diesen Artikel nicht als ultimative Bauanleitung mit Maßen und effektiven Zahlen, sondern als "Verständnissanleitung", wie ein Inkubator funktioniert. Haben Sie dies begriffen, sind Ihrem Ideenreichtum keine Grenzen gesetzt, eine für Sie ideale Inkubatorlösung zu finden. Natürlich können Sie auch den hier dargestellten Inkubator 1:1 nachbauen!
Semiprofessionelle Inkubatoren für Hobbyzüchter werden vom Handel mittlerweile als Sets verkauft. Die ?Startersets? sind dabei von unterschiedlicher Qualität. Ich persönlich halte diese Sets für sehr teuer. Das Material, welches für einen einfachen Inkubator benötigt wird, ist nicht sonderlich hochwertig. Mit ein wenig handwerklichem Geschick kann ein qualitativ hochwertigerer und vor allem etwas größerer Inkubator selbst gebaut werden.
Es gibt verschiedene Techniken, Eier zu inkubieren. In einem professionellen Brutschrank wird die Luftfeuchtigkeit automatisch geregelt, ansonsten herrschen ?trockene? Bedingungen. Bei einem Selbstbauinkubator benutzt man die sog. Aquariummethode, d.h. die Luftfeuchtigkeit wird durch eine warme Wasserwanne gesteuert. Die Bezeichnung ist dabei etwas irreführend, da man nicht unbedingt ein Aquarium für diese Methode benötigt. Man kann diese Methode auch mit Kühlschränken oder anderen wasserresistenten Behältern (z.B. eine Kühlbox aus Plastik) etwas modifizieren. Der Selbstbau geht jedoch am leichtesten von der Hand, wenn man zum Start ein einfaches Aquarium einsetzt.

Bauplan für einen Inkubator nach der Aquarium-Methode

Diese Bauanleitung ist keine Schritt für Schritt Anleitung, sondern stellt das Prinzip der Aquarienmethode vor. Wie Sie beim Bauen vorgehen, sollte sich nach Lektüre dieses Beitrages von selbst erklären.

Was wird benötigt?

  • Ein Aquarium. Die Größe richtet sich nach der Anzahl der Eier, die Sie erwartungsgemäß ausbrüten möchten.
  • Ein temperaturgesteuerter, regelbarer Aquarienheizstab. Die Wattzahl richtet sich nach der Wassermenge. Lassen Sie sich im Fachhandel beraten. Im Zweifel nehmen Sie den etwas stärkeren Heizstab. Beim Heizstab bitte nicht sparen! Es ist das Herzstück Ihres Inkubators.
  • 4-6 Stück, 12cm hohe Rohrmuffen oder Rohrstücke. Alternativ Ziegelsteine oder anderes nicht verrottendes Material.
  • Ein nicht rostendes Gitterblech in der Innengröße des Terrariums. Alternativ eine Plastikscheibe mit Bohrlöchern oder Malerrollen-Abtropfgitter.
  • Ein Thermometer mit MIN/MAX Speicher und digitaler Anzeige.
  • Eine Glasscheibe als Deckel für das Aquarium.
  • Styroporplatten um das Terrarium zu verkleiden / isolieren.
  • Silikon / Kleber

Die Baukosten richten sich nach der Größe. Für ein Becken in 40x80 cm Größe können Sie mit 80-100? Materialkosten rechnen.

Beim Kauf des Aquariums ist eigentlich auf nichts Besonderes zu achten. Wichtig ist die Größe. Diese richtet sich nach dem, was Sie an Gelegen erwarten. Haben Sie ein bis zwei Pärchen, genügt ein kleineres Becken. Auf eine Sache sollten Sie jedoch achten. Das Aquarium hat standardmäßig keinen Deckel. Achten Sie beim Kauf darauf, das am oberen Rand des Aquariums seitliche Deckelauflagen vorhanden sind. Meist sind am oberen, langen Seitenrand Glasstreifen eingeklebt.

 

Beim Glaser lassen Sie sich aus normalem 4-6mm dickem Fensterglas einen Deckel anfertigen, der genau in das Aquarium passt. Um die Glasplatte wieder herausnehmen zu können, lassen Sie vom Glaser auch ein daumengroßes Loch in die Mitte schneiden (kostet ca. 8?). Alternativ können Sie auch Saugnäpfe nehmen, um die Scheibe wieder hochheben zu können.

Das Aquarium wird ca. 5cm hoch mit Wasser befüllt. Die Füllmenge kann dabei natürlich variieren. In die Mitte des Beckens kommt der Heizstab. Achten Sie darauf, dass dieser mit Wasser bedeckt ist, sonst könnte dieser beschädigt werden. Der Wasserstand solle daher mindestens 2-3 cm über dem Heizstab sein.

Die Abstandshalter werden in den Ecken des Aquariums platziert. Wichtig ist hierbei, dass sie mindestens 3-4 cm aus dem Wasser herausragen.

Was als Abstandshalter verwendet wird, ist egal.
Das Material sollte aber nicht schimmeln oder rosten. Als geeignete Materialien haben sich herausgestellt:

  • Rohrstücke aus Kunststoff, Abwasserrohre aus dem Baumarkt in Stücke geschnitten.
  • Rohrendmuffen
  • Rohrverbindungsmuffen
  • An die Innenwand geklebte CD-Hüllen
  • Die Plastikeier aus den Überraschungseier übereinander geklebt
  • Einfache Steine
  • Ziegel- oder Backsteine
  • Ausgediente Süßstoffspender
  • usw.


Auf die Auflage kommt die Plattform für die Brutbehälter. Um eine Luftzirkulation zu gewährleisten, eignet sich ein rostfreies Lochgitter, Plastikplatte, Plexiglas oder ein anderes durchlöchertes Material. Aus einer geschlossenen Platte ist ein Lochgitter mit einem 5mm Bohrer und einer Bohrmaschine leicht selbst zu basteln. Es kommt nicht auf Schönheit an, sondern auf Gebrauchsfähigkeit. Daher sollte die Plattform wackelfrei, d.h. möglichst stabil sein.

Kurze Erläuterung des Inkubator Prinzips:
Der Heizstab bringt das Wasser auf die gewünschte Temperatur (optimal sind 26-28 Grad). Das verdunstete Wasser hat die gleiche Temperatur. Es bildet sich ein Mikroklima von der eingestellten Temperatur im gesamten Aquarium.


Durch die hohe Luftfeuchtigkeit ist bei der Wahl der Materialien unbedingt darauf zu achten, dass diese nicht rosten, verrotten oder gar anfangen zu schimmeln. Die Materialien sind der Luftfeuchtigkeit permanent über mehrere Wochen ausgesetzt.
Durch die hohe Luftfeuchtigkeit, bilden sich an den Innenwänden und Deckel des Terrariums Kondenstropfen (Wassertropfen).

Auf die löchrige Plattform stellen wir unsere, mit feuchtem Brutsubstrat gefüllten, Brutbehälter. Die Gelege sind in einzelne Behälter voneinander getrennt. Eine kleine Leiste unter einem Ende des Behälters sorgt dafür, dass Kondenstropfen am Deckel des Behälters nicht auf die Eier tropfen. Durch die Anschrägung laufen sie am Deckel nach unten und tropfen am unteren Ende ab. Wenn die einzelnen Brutbehälter Deckel haben, sollten seitliche Belüftungslöcher gebohrt werden. So wird das Klima des Aquariums auch in die Brutbox übertragen und die Luft ausgetauscht. Möchten Sie keinen Deckel auf die Behälter setzen, dann sollte zumindest der Aquariendeckel angeschrägt werden. Dies erreichen Sie gleichermaßen, indem Sie eine Leiste auf einen der Deckelauflieger legen. Sie können dann die Deckel auf den Brutgefäßen weglassen. Denken Sie in diesem Fall jedoch daran, rechtzeitig vor Schlupf einen Deckel auf die Gefäße zu setzen. Die kleinen Schlüpflinge schlängeln sich sonst heraus und können ins Wasser fallen und ertrinken.

 

 


Glas hat die Eigenschaft, Wärme sehr schnell abzugeben. Man verkleidet das Aquarium daher zusätzlich mit Styropor. Durch diese Isolierung braucht der Heizstab nicht permanent zu laufen und die Klimaschwankungen sind minimaler. Lassen Sie das Styropor an den Seiten höher stehen als das Aquarium. Sie können dann den Glasdeckel auflegen und zusätzlich einen Styropordeckel wackelfest zwischen den Seitenwänden einklemmen, anstatt ihn nur einfach aufzulegen.

 

 

Das Aquarium sollte während der Brutzeit regelmäßig, d.h. alle 3-4 Tage, geöffnet werden um die Luft aufzufrischen. Die Temperatur ist regelmäßig mit dem MIN/MAX Thermometer zu überprüfen. Dieses Thermometer speichert die Höchst- und Niedrigstwerte. Sie erkennen so die Bandbreite, in der die Temperatur innerhalb des Inkubators schwankt. Der Bereich sollte +/- 2 Grad nicht unter-/überschreiten. Längere Temperaturen über 30 Grad bzw. unter 25 Grad lassen die Eier absterben, ideal sind permanente 26-28 Grad. Wichtig ist daher, den Inkubator und vor allem die korrekte Einstellung des Heizstabes in einem längeren Testlauf zu prüfen. Bauen Sie daher den Inkubator rechzeitig und nicht erst, wenn die Eier da sind!

 

Sie sehen also, das Prinzip dieses Inkubators ist relativ simpel. Es bleibt Ihrem Ideenreichtum überlassen, wie Sie dieses Prinzip umsetzen. Anstelle eines Aquariums eignet sich auch ein einfacher Kühlschrank. Indem man auf der unteren Etage einen Wasserbehälter mit Heizstab stellt, erreicht man dasselbe Prinzip. Wenn Sie nur wenige Eier ausbrüten möchten, eignet sich als Behälter auch hervorragend eine Kühlbox aus Plastik. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Bilder und einen Kurzbericht Ihres Nachbaus oder Erweiterungsvorschläge zusenden.

Einen kommerziellen Brutkasen finden Sie im Terraristik Fachgeschäft. Oft lassen sich auch bei ebay Inkubatoren günstig ersteigern. Hier eine Auswahl der aktuellen Inkubator-Auktionen:

 

 

 

 

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