Neuzugänge und Quarantäne

Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Gefahren von Neuzugängen, d.h. ein bestehender Kornnatterbestand um neue Tiere ergänzt wird. Wenn Tiere von anderen Quellen hinzukommen können sich diverse Krankheiten oder krankheitsauslösende Keim gleich mit einsiedeln. 


Vorwort


Jaja, die Spinner! Übertrieben!

So oder ähnlich wird mancher vielleicht denken, wenn er die Maßnahmen verantwortungsvoller Kornnatterhalter in Bezug zu Neuanschaffungen hört und liest. Gehen wir von unserem Empfinden mal nicht vom materiellen Wert einer Kornnatter aus, welcher durch Herkunft und Farbvariante geprägt ist, sondern einfach von der Tatsache: Wir möchten ein gesundes Tier in unserer Obhut pflegen. Diese Einstellung ist eine vernünftige Ausgangsbasis, denn wir müssen und von der Ansicht entfernen, nur teure Tiere verdienen einen solch erheblichen Aufwand. Natürlich brauche ich nicht gesondert zu erläutern, dass eine Quarantäne nur bei einer Haltung mehrer Tiere nötig ist. Jedoch sollten auch Einzeltierhalter folgenden Artikel lesen. Die Zahl der Krankheiten, die speziell für Reptilien wie der Kornnatter lebensbedrohlich sein können ist groß. Und die Zahl wächst mit zunehmender Farbzucht und Vielfältigkeit der Farbvarianten.

Mit der Zuchtvielfalt leider das Immunsystem der Tiere, dies bedeutet, vorher hamlose Krankheiten werden auf einmal für das geschwächte Tier lebensbedrohlich. Vergleichbar ist dies mit einer Grippe, die von einem gesunden Menschen normalerweise leicht auskuriert wird, für einen immun geschwächten, älteren oder sehr jungen Menschen jedoch schnell gefährlich werden kann. 

Jede Kornnatter hat von Natur aus Bakterien und Parasiten im Magen-Darm-Trakt. Diese werden von einem gesunden Immunsystem in Schach gehalten. Wird dieses jedoch geschwächt, können sich diese Parasiten innerhalb kurzer Zeit stark vermehren und die Oberhand gewinnen. Kornnattern leiden leise, daher werden viele Erkrankungen erst entdeckt, wenn es leider schon zu spät ist und die inneren Organe zerstört sind.
 
So mehren sich die Meldungen über erkrankte Tiere, ja sogar bis hin zur (fast) Ausrottung ganzer Zuchtbestände. Hintergrund ist oft bereits erläuterte Anfälligkeit hochgezüchteter Designerschlangen. Thema Nummer eins in diesem Zusammhang ist die Erkrankung mit Cryptosporidien (auch Kryptosporidien geschrieben). 
Das Gefährliche gerade an diesem parasitären Einzeller ist folgendes:
  • Er kann sich über Jahre unbemerkt im Magen und Darm verstecken und wartet auf seine Gelegenheit.
  • Er ist schwe, d.h. nur über aufwendige Laborverfahren nachweisbar.
  • Er ist unheilbar! Es hilft kein Medikament. Bekannte Therapiemöglichkeit verfolgt immer das Ziel, das Immunsystem zu stärken, so das die Schlange es selber schafft. Dies ist stark abhängig vom Befall und das Tier ist immer potentiell positiv Infektiös wegen o.g. versteckter Infektionsmöglichkeit.
  • Er ist mit handelsüblichem Desinfektionsmittel nicht zerstörbar.
  • Die Übertragung erfolgt leicht über andere Gegenstände, wie z.B. Futterzange oder Kotlöffel.
  • Er kann Monate außerhalb des Wirtes überlegen, z.B. auch auf der Türklinke oder Wassertrog.
  • Er wird über den Kot ausgeschieden

Spätestens jetzt sollte einigen unwohl sein und man sollte darüber nachdenken, ob die apokalyptischen Maßnahmen mancher Halter nicht doch angemessen sind.

Quarantäne und Desinfektion ist enorm wichtig geworden. Alex Brehm arbeitet als Rettungssanitäter und hält mehrere Kornnattern. Die Thematik einer ordnungsgemäßen Desinfektion ist Ihm daher schon aus beruflichen Gründen nicht fremd. Alex hat sich näher mit dem Thema beschäftigt und den folgenden Artikel zu Veröffentlichung auf Kornnatter.de freigegeben:

Quarantäneanleitung

Als Quarantäne bezeichnet man die zeitlich begrenzte Isolierung von Personen oder von Tieren, von denen vermutet wird, an bestimmten Krankheiten erkrankt oder Überträger dieser Krankheiten zu sein. Die Zeitdauer der Quarantäne richtet sich nach der Inkubationszeit der vermuteten Krankheit.

Die Quarantäne ist eine sehr aufwendige, aber auch sehr wirksame seuchenhygienische Maßnahme, die insbesondere bei hochansteckenden Krankheiten mit hoher Sterblichkeit angewendet werden muss.

Eine Quarantäne für Neuzugänge wird dringend empfohlen, da sich die Fälle von einer tödlich verlaufenden Infektion mit Cryptosporidium serpentis oder Cryptosporidium saurophilum und anderen schwer verlaufenden Infektionen in den letzten Jahren drastisch gehäuft haben. So wurden bei einigen großen und bekannten Züchtern mangels ausreichender Quarantänemaßnahmen ganze Bestände infiziert und sind an dieser immer tödlich verlaufenden Infektion verendet. 
Das heimtückische an einer Cryptosporidiose, so nennt man eine Infektion mit dem parasitären Einzeller, ist, dass der Nachweis nur mittels ITF-Test und die Art der Infektion mit einem PCR-Test nachgewiesen werden kann.
Ebenso erschwerend kommt hinzu, dass handelsübliche Desinfektionsmittel auf Alkoholbasis die hoch ansteckenden Oozysten, Wurmeier und Kokzidien nicht abtöten können und diese somit Infektiös bleiben.
Auch außerhalb des Wirtes können Cryptosporidien- Oozysten mehrere Monate z.B. auf Teppichen, in Terrarien und auf Türklinken infektiös bleiben.

Als grundlegende Hygienemaßnahmen muss man folgendes einhalten:

  • Man benutzt für jedes Quarantänetier nur eine eigene Futterpinzette.
  • Man trägt Einmal-Untersuchungshandschuhe (Am besten Nitril, da diese auch für Desinfektionsmaßnahmen zugelassen sind) beim Handling mit den Tieren.
  • Den Kot entfernt man nur mit einem Einweg-Löffel aus Kunststoff den wir sofort nach Gebrauch in einen bereitstehenden Abfallsack werfen.
  • Der Gebrauch einer separaten Futterbox kann man sich sparen, da man das Tier am besten auf Küchen- oder Zeitungspapier hält.

Unsere persönliche Hygiene muss unbedingt folgendes beinhalten:

  • Man trägt keine lange Oberbekleidung wie Pullover. Besser sind T-Shirts, da man mit langer Kleidung eine Schmierinfektion begünstigt.
  • Man wäscht sich nach jedem Handling mit einem Tier gründlich die Hände mit handelsüblicher Seife bis zum Ellbogen.
  • Danach trocknet man sich die Arme und Hände und desinfiziert diese mit einem handelsüblichen Hautdesinfektionsmittel wie. z.B. Sterilium von Bode.
  • Wichtig ist hiernach der Gebrauch einer guten Handcreme, da ansonsten die Haut sehr schnell angegriffen wird.
  • Von Vorteil ist unbestritten, dass man zuerst die Tiere des Altbestandes versorgt und danach die Quarantänetiere.
  • Auf eigene Körperhygiene ist zu achten, d.h. Kleidungswechsel nach dem Handling (Wäsche bei 95°C waschen) und evtl. duschen.

 

MERKE

      • Handschuhe verwenden bedeutet nicht, dass man sich die Hände nicht waschen und desinfizieren muss umgekehrt bedeutet es auch nicht, das man bei einer gründlichen Handwäsche und –desinfektion auf Handschuhe verzichten kann. Eine gute Handhygiene und Handschuhe ergänzen sich und können nur zusammen die größtmögliche Sicherheit bieten.
      • Bei der Handreinigung und -desinfektion nicht den Handrücken, die Fingerzwischenräume und die Daumen vergessen.

 Die Hygiene im Quarantänebereich:

  • Man benutzt als Quarantänebehältnis eine ausbruchssichere Kunststoffkiste, die mit Luftlöchern versehen wurde. Der Grund hierfür liegt einfach darin, dass man die Kunststoffkiste bei einem Ableben des Tieres einfach wegwerfen kann, ohne dass man Gefahr läuft, dass man bei einer Desinfektion des Terrariums diese nicht richtig durchführt.
  • Empfehlenswert ist auch, dass man die Quarantäne räumlich getrennt vom Restbestand durchführt.
  • Als Desinfektionsmittel eigenen sich nur spezielle Mittel, die auf dem Wirkstoff Chlorkresol basieren. Die weit verbreitete Meinung, Wofasteril reiche aus, ist schlichtweg falsch (Bestätigt durch Exomed und Kesla Pharma). 

Die Einrichtung in der Quarantänebox:

  • Als Bodengrund eignen sich Küchenkrepp oder Zeitungspapier.
  • Einen Topfuntersetzer für Pflanzen aus Ton (Zwecks einfacher Desinfektion)
  • Ein Versteck, am besten eine Kunststoffpflanzschale, die sich desinfizieren lässt oder ein Tongefäß, was mit den passenden Löchern verwendet wird. 

Eine weitere nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle, ist die Entsorgung der potenziell kontaminierten Abfälle:

Der Eimer muss unbedingt geschlossen sein, um eventuelle Sporen nicht durch Zugluft weiter zu tragen.

Am besten verwendet man einen Tretabfalleimer, damit man nicht den Deckel mit den Händen öffnen muss.

Der Eimer wird mit einem schweren Abfallsack ausgelegt. Die Ränder müssen mindestens 20 cm überlappen.

MERKE

      • Man verwendet keine Kotlöffel mehrmals.
      • Jedes Quarantänetier muss seine eigene Futterpinzette haben, die nur für dieses Tier verwendet wird

Die richtige Desinfektion

Grundsätzlich ist es besser, keine Chemie zu verwenden und Wasserschalen zu verwenden, die sich problemlos durch Hitze entkeimen lassen. Bei mir haben sich Tonuntersetzer für Pflanztöpfe bewährt. Diese halten auch problemlos Temperaturen von 200° C im Backofen aus, ebenso wie Futterpinzetten, die allerdings je nach Qualität anlaufen können. Ich verwende nur noch Futterpinzetten aus medizinischem Stahl, welche man günstig bei Instrumentenherstellern kaufen kann (je nach Größe 4 -8 €).   

Zur Desinfektion eignen sich folgende chemischen Desinfektionsmittel:

Produkt

Hersteller

Internet

Neopredisan
135-1

Menno Chemie GmbH

www.menno.de

Vital AG
(In der Schweiz)

www.vital-ag.ch

Parafectans

Chevita GmbH

www.chevita.com

 

 

MERKE

Bei der Desinfektion trennt man prinzipiell in einen „reinen" und einen „unreinen" Bereich.  Am besten wird dieser Bereich mit dem Behältnis, in dem die Desinfektion statt findet, getrennt.

Man benutzt ein paar Handschuhe, um das unreine Material in die Desinfektionslösung einzulegen, ein neues Paar um das Material nach der Einwirkzeit wieder herauszunehmen.

 
 



Unfallverhütungsvorschriften beachten: Dazu gehören das Tragen einer Schutzbrille, Nitrilhandschuhen oder dicken Haushaltshandschuhen.  
Wichtig ist, dass die Desinfektion in einem ausreichend belüfteten Raum statt findet, da die Dämpfe gesundheitsschädigend sein können.
  • Vor der Desinfektion sind grobe Verunreinigungen wie z.B. Kot zu entfernen
  • Die vom Hersteller angegebenen Vorgaben, insbesondere Einwirkzeit und Dosierung sind unbedingt ein zu halten. Unterdosierung kann zu einer Resistenzbildung führen!
  • Desinfektionen, die nicht gewissenhaft ausgeführt wurden, gaukeln Sicherheit vor.
  • Desinfektionsmittel niemals mit anderen Desinfektions- oder Reinigungsmitteln mischen. Es kann zu gefährlichen, chemischen Reaktionen führen oder unter Umständen nicht mehr wirken.
  • Nach der Desinfektion sind die Gegenstände nochmals gründlich zu reinigen, um Reste des Desinfektionsmittels abzuwaschen
  • Wassernäpfe etc. legt man im besten in einen bereitstehenden Eimer mit Desinfektionslösung ein
  • Desinfektionsmittel, die abgelaufen sind, dürfen nicht mehr verwendet werden, da die Wirkung beeinträchtigt sein kann.
  • Desinfektionslösungen müssen prinzipiell nach Herstelleranleitung hergestellt und angewendet werden. Nichtbeachtung kann bei den Tieren zu schweren Vergiftungen und Verätzungen und zum Tod führen!

Berechnungsbeispiel

Für oben genannte flüssigen Desinfektionskonzentrate gilt folgendes Berechnungsbeispiel:

Beispiel an einer 5%igen Lösung:
Benötigte Lösung= 5 Liter
5 x 5:100 = 0,250 Liter Desinfektionskonzentrat
5 Liter gebrauchsfertige Lösung= 5 Liter Wasser – 0,250 Liter Konzentrat
5 Liter Lösung = 4,750 Liter Wasser + 250 ml Desinfektionskonzentrat

 

MERKE

  • Desinfektionsmittel immer in kaltem Wasser ansetzen
  • Immer das Desinfektionsmittel in das Wasser geben- Schaumbildung wird so verhindert.
  • Immer nur soviel Desinfektionslösung ansetzen wie gebraucht wird. Schont Geldbeutel und die Umwelt
  • Desinfiziert ist hygienisch sauber, nicht steril.
  • Das Desinfektionskonzentrat niemals unverdünnt in den Abfluss schütten.

Desinfektion durch Hitze:

Hitzebeständige Gegenstände, wie z.B. Wassernäpfe und Futterpinzetten, können auch im Backofen desinfiziert werden:

  • Gründlich mit Spülmittelwasser reinigen.
  • Gegenstände in Backofen stellen, so, das überall noch Luft dran kommt.
  • Backofen einschalten, 200°C für 1 Stunde macht jedem Keim und allen Sporen den Garaus.

Man kann bedenkenlos im Backofen Wassernäpfe aus dem regulären Bestand mit den Einrichtungsgegenständen aus dem Quarantänebereich reinigen und anschließend desinfizieren. Es ist ausgeschlossen, dass Keime und Dauerformen eine richtig durchgeführte Desinfektion überstehen können.

Diese Desinfektionsempfehlung wurde nach bestem Wissen und Recherchen von einer Fachperson erstellt. Die Autoren können keine Garantie auf Vollständigkeit und Richtigkeit geben.

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