Kornnatterhandling

Die erste Frage, die oft bei Neulingen der Terraristik auftaucht ist:
Wie fasse ich die Schlange an?

Handling bedeutet in der Terraristik das Handhaben, Umgehen und Herausnehmen von Tieren/Reptilien aus dem Terrarium. Eine Kornnatter ist kein Schmusetier, dies sollte bereits jedem bekannt sein, der sich ernsthaft mit der Anschaffung einer Kornnatter beschäftigt hat. Genauso wenig sollte ein belesener Kornnatterhalter von zähmen sprechen, sondern von Gewohnheit und Routine. Wie oft und ob überhaupt eine Schlange angefasst werden soll, darüber gibt es verschiedene Meinungen. Einige sind der Ansicht, eine Schlange sollte ähnlich wie Fische behandelt werden und möglichst nicht angefasst werden. Andere sehen in einem regelmäßigen Handling den Vorteil, dass sich die Schlange daran gewöhnt und einer regelmäßigen Kontrolle unterzogen werden kann. Aus Erfahrung können wir jedoch sagen, dass eine Kornnatter in der Lage ist, sich an die Situation des Anfassens zu gewöhnen und mit der Zeit ruhiger wird. Außerdem ist das Herausnehmen unumgänglich. Spätestens zur Reinigung des Terrariums und zum Füttern muss das Tier herausgenommen und in eine separate Box gesetzt werden.

Es sollte klar sein, dass jedes Tier ein eigenes Wesen und eigene Charakterzüge hat. Es lässt sich keine Allgemeinaussage bilden, wie sich eine Kornnatter beim Herausnehmen verhält. Es gibt jedoch einige Grundsätze, die man beachten und beherzigen sollte.

Eigenhygiene
Es gibt einige wenige Krankheiten, die vom Menschen zum Tier, aber auch umgekehrt, übertragen werden können. Es ist deshalb für beide Seiten ratsam, sich vor und nach dem Anfassen des Tieres die Hände gründlich zu waschen. Wenn Sie mehrere Schlangen halten, die getrennt voneinander sitzen, raten wir auch dazu, sich beim Wechsel der Schlange ebenfalls die Hände zu waschen. So verhindern Sie den Weg einer Krankheitsübertragung über Ihre Hände. Ein Desinfektionsmittel ist unserer Meinung ebenfalls Sinnvoll. Zum einen zur Hautdesinfektion, als auch zum auswaschen des Terrariums. Beachten Sie jedoch, dass Desinfektionsmittel für Tiere schädlich sein können. Lassen sie es deshalb verfliegen bzw. eintrocknen oder spülen sie mit Wasser hinterher.


Allgemeines
Für Kornnattern benötigen Sie in der Regel keinen Schlangenhaken. Nur sehr selten sind Kornnattern so aggressiv, dass sie nur mit einem Haken oder robusten Handschuhen zu Händeln sind. Daher beschreiben wir in diesem Bericht auch nur den Umgang mit der Hand ohne Hilfsmittel.


Die 3 Goldenen Regeln:
1. Kornnattern greifen keine Feinde ernsthaft an, die größer sind als sie. Gerade bei adulten Tieren, sollte man daher immer mit der flachen Hand und anliegenden Fingern zur Kornnatter greifen. Niemals mit zwei ausgestreckten Fingern oder gar nur den Zeigfinger zur Schlange ins Terrarium greifen. Sie könnte aus Überraschung den Finger als Beute interpretieren und erkennt ihren Irrtum erst, wenn sie hinein gebissen hat.
2. Verhalten sie sich niemals hektisch! Alle schnellen Bewegungen reizen die Kornnatter. Machen sie keine großen Gestikulationen mit den Händen, wenn Sie eine Kornnatter auf dem Arm haben.
3. Handeln sie besonnen, routiniert und ohne zu zögern. Zappeln Sie nicht lange vor Angst rum, sondern packen Sie angemessen aber beherzt zu. Nutzen Sie das Überraschungsmoment und geben Sie der Schlange keine Zeit sich aufzuregen. Also Zugreifen, bevor die Schlange merkt was eigentlich los ist.

Schlangen sind wechselwarme Tiere, sie benötigen eine Betriebstemperatur, bevor sie in Aktion treten. Nach einer kühlen Nacht ist es deshalb nicht ratsam zu füttern. Sondern erst dann, wenn das Tier warm ist. Dies ist im Terrarium nach einigen Stunden Beleuchtung der Fall. Für das Handling bedeutet es allerdings, dass kalte Schlangen träger sind und eine reduzierte Reaktionsfähigkeit haben. Wenn Sie noch unsicher sind, ist es daher besser, morgens die Schlange aus dem Terrarium zu holen um eventuelle Reinigungsarbeiten oder eine Häutungsüberprüfung durchzuführen.


Besonderheiten bei sehr jungen Kornnattern
Eine junge Kornnatter ist in der Regel sehr scheu, hektisch und verlässt bei Licht nur selten das Versteck. Sie ist an die Situation des Anfassens nicht gewöhnt und zeigt daher ein natürliches Verhalten: Die Flucht! Der Fluchtversuch des Tiers ist ein völlig natürlicher Reflex. In der Natur kommt die Gefahr für die Schlange meist auch von oben in Form von Raubtieren oder Greifvögeln. In der Ruhe liegt die Kraft! Bewegen Sie sich ruhig und auf keinen Fall ruckartig. Versuchen Sie Ihre Ruhe auf das Tier zu übertragen. Ihre junge Kornnatter steht unter enormen Stress und durchlebt Todesangst! Dies erkennen Sie am so genannten Pumpen, dies bedeutet eine schnelle, hektische Atmung. Häufig rasselt sie dabei auch mit dem Schwanz und begibt sich in eine S-Stellung. Nicht selten versucht sie mit Scheinangriffen, dass heißt Zischen und Vorschnellen mit dem Kopf, ihren Feind zu imponieren. Sie brauchen keine Angst vor dem Biss eines Neonaten (Schlüpfling) zu haben, lassen sie sich ruhig einmal in den Finger beißen, haben Sie keine Angst! Das tut nicht weh. Die kleinen Zähnchen sind harmlos für Menschen und pieken höchstens. Durch diese Erfahrung werden sie später die Hand nicht automatisch zurückziehen, bzw. vor Schreck zurück zucken, wenn die Kleine ?den Rambo? macht. Unterschätzen Sie auch nie die Geschwindigkeit der Schlange. Kornnattern können aus dem Stand losflitzen. Je länger Sie zögern, desto mehr Stress bedeutet dies für das Tier!


Herausnehmen aus dem Terrarium
Im einfachsten Fall bewegt sich die Schlange gerade durchs Terrarium und sie ist nicht um irgendwelche Einrichtungsgegenstände umschlungen. Hier gilt: Nicht lange zögern, sondern bedacht zugreifen. Die Schlange dabei im oberen Drittel des Körpers greifen und herausnehmen. Wenn man das Tier relativ kurz hinterm Kopf zu fassen bekommt, hat sie keine Chance, einen Abwehrbiss zu tun. Meist verhält es sich aber so, dass die Kornnatter zusammengerollt in ihrem Versteck liegt. Hierbei gilt es, das Überraschungsmoment zu nutzen. D.h. handeln, bevor die Schlange die Situation wahrnimmt. Das Versteck hochnehmen, mit der flachen Hand auf die Schlange zusteuern und zugreifen. Versuchen Sie mit dem Griff so viel Schlange wie möglich zu greifen, so dass sie sich sogleich um die Finger wickeln kann. Ein leichtes fixieren mit den Fingern ist auch möglich. Das schränkt die Schlange leicht ein, aber sie kann sich noch bewegen. Quetschen Sie die Schlange niemals, Sie können ernsthaft die inneren Organe verletzen. Die Schlange wehrt sich umso fester, je enger Ihr Griff ist. Fassen Sie sie daher immer locker, gerade so, dass sie nicht weghuschen oder runterfallen kann. Um dem Tier so wenig Stress wie möglich zu bereiten sollte davon abgesehen werden die Kornnatter durch das halbe Terrarium zu ?jagen? falls man es beim ersten Mal nicht zu greifen bekommt.


 

 

 


Umgang auf der Hand
Sie können ruhig beide Hände benutzen um die Schlange sicher zu halten und ihr auch in der Hand eine gewisse Bewegungsfreiheit zu gestatten. Meist beruhigen sich die Tiere schon nach kurzer Zeit. Je ruhiger Sie handeln, desto schneller findet auch die Schlange Ruhe. Sie erkennen dies an der Atmung, sie wird ruhiger und gleichmäßiger.

Sie erkennen schnell, welches Temperament Ihr Tier hat. Ob es ein quirliges Tier, das panisch die Flucht ergreift, oder eher ein ruhigerer Zeitgenosse ist, dem es weniger stört wenn er aus dem Terrarium genommen wird. Lassen Sie junge Schlangen durch Ihre leicht gespreizten Finger kriechen, so findet sie genügend halt und fällt nicht herunter. Größere Tiere kriechen meist über den Unterarm oder den offenen Handflächen. Greifen Sie mit ruhigen Bewegungen nach, üben sie niemals Greifdruck auf das Tier aus. Befolgen Sie diese Regeln, wird die Kornnatter in dieser Situation niemals beißen.

Verlieren Sie nicht den Mut, wenn Sie anfangs etwas gesunden Respekt haben. Lassen Sie den Respekt jedoch nicht in Angst umschwenken. Viele geben die Tiere wieder ab, weil Sie Ihre Angst, dass Tier könnte beißen, nicht überwinden können. Auch wenn Ihr Jungtier zu Panikattacken oder sogar Abwehrbissen neigt, behalten Sie Ruhe, denn in der Regel hat sich gezeigt, dass die allermeisten mit der Zeit ruhiger werden und dieses Verhalten ablegen. Nur sehr wenige Kornnattern bleiben bissig! Geben Sie einem neuen und vor allem einem jungen Tier Zeit, sich an das Handling zu gewöhnen. Sie werden sich schnell an das Verhalten und das Einschätzen von Situationen gewöhnen und merken, wie einfach es sein kann, eine Kornnatter zu Händeln.


 

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