User Besuch bei Bill und Kathy Love

 

Bill und Kathy Love wohnen in Alva, einem kleinen Ort etwa 20 Fahrminuten östlich von Fort Meyers. Mitten auf der breiten Landstrasse in Richtung Alva forderte unser Navigationsgerät uns auf, rechts abzubiegen. Skeptisch blickten wir in den Ackerweg, der mitten in einen Cypressenwald hineinführte.

 

 

Neben der Straße stand ein typisch amerikanischer Briefkasten mit rotem Fähnchen, auf dem die Hausnummer noch so gerade zu entziffern war.

Die Hausnummer stimmte!

Wir verließen den Highway und fuhren über eine Wiese auf den Ackerweg zu, geradewegs in die Everglades. So kam es uns zumindest vor!

Eine gewisse Erleichterung machte sich breit, als wir das kleine Hinweisschild mit der Aufschrift "Bill und Kathy Love" sahen, dass an einem urigen Baum hing.

 

 

Kurz darauf sahen wir bunte Dinosaurier am Wegesrand und uns bekam ein Gefühl von Jurassic Park.

Hinter der nächsten Kurve sahen wir dann doch schon Bill und Kathys Haus, ein typisch amerikanischer Bungalow mit Spitzdach. Rundherum mit Moskitogittern und Gittertüren abgeschottet. Sogar der kleine Pool hatte eine Moskitoschleuse!
Zum Glück war Winter, also keine Moskitozeit, sonst wären wir ihnen wahrscheinlich auf dem Weg zum Haus schon zum Opfer gefallen.
 

Da wir unseren Besuch vorher mit Kathy abgesprochen haben, musste also auch jemand zu Hause sein. Kurz nachdem wir geparkt hatten, wurden wir auch schon freundlich von Jeff, einem Freund von Kathys Tocher begrüßt und hereingebeten.

Die Eingangstür führt direkt in ein großes Wohnzimmer mit offener Küche, in der Mitte des Raums steht ein großes Terrarium, indem sich eine Klapperschlange schlängelte. Diese hatte Bill von einer Fototour in der Wüste mitgebracht. Auf dem Sofa und einem riesigen Katzenbaum lagen mindestens drei Katzen. Kathy und ihre Tochter kamen aus einem kleinen Büro hinter der Küche und begrüßten uns ebenso freundlich wie Jeff.

 

 

 

Nach einem kurzen allgemeinen Begrüßungsgespräch über das Wetter und der Fahrt durch den Busch zum Haus, waren wir natürlich heiß, endlich die Kornnattern und die angeblichen großen Hallen zu sehen. Kathy schmunzelte und sagte, Kornnattern kann ich Euch zeigen, aber große Hallen haben wir hier nicht.
Sie führte uns durch die Hintertür auf die Terrasse, am Pool vorbei durch drei Moskitoschleusen in den riesigen Garten. Als Erstes viel uns der künstliche kleine See auf, den Bill und Kathy selbst angelegt haben. Hier schwimmt sogar ein wildlebender Aligator und jede Menge Schildkröten, die sich hier niedergelassen haben. Einige Minuten suchten wie natürlich nach dem Aligator und wurden auch fündig. Ein etwa 1 Meter langer Aligator schwamm mitten im Teich herum. Von einem kleinen Aussichtssteg, der zu Bills Lieblingsplätzen gehört, konnte man ihn dann gut erkennen. Um den Steg herum, kamen immer wieder Schildkröten an die Wasseroberfläche zum Luft holen, sehr idyllisch.

Ehrlich gesagt, bei aller Idylle dachte ich mir, warum man sich in einem Moskitogebiet auch noch einen Teich, der eine ideale Brutstätte für Mücken und Ungeziefer ist, in den Garten buddelt. Kathys Lieblings-Jahreszeit ist das Frühjahr. Die Temperaturen sind angenehm, es gibt keine Moskitos und es ist keine Hurricangefahr. Im Sommer kann man sich im Garten nur selten aufhalten. An ein schönes Barbecue bei Sonnenuntergang am Teich ist hier nicht zu denken, es sei denn, man möchte selbst auf der Speisekarte von Mücke & Aligator stehen.

 

 

Wir gingen über die große Wiese in Richtung zweier halbrunder Garagen aus Wellblech. Vorbei an Bäumen, auf denen Kathy Orchideen gepflanzt hatte, die sogar noch im Januar Blühte trugen.
Die erste Garage dient als Lager für die Gartengeräte und der Mäusezucht. In einem kleinen abgetrennten Raum hat sich Bill ein Fotostudio eingrichtet.


Kathy und Bill züchten verschiedene Arten von Mäusen, darunter auch uns bisher unbekannte Arten wie "Ägyptische Minimaus" in der Größe eines Springers und "Naked Rats & Mices", völlig unbehaarte Nacktratten und Mäuse. Doch bei einem Tierbestand von über 100 Kornnattern, reichen die Nachzuchten der eigenen Mäuse nicht aus. Bei unserem Besuch tauten gerade 150 Küken in der Morgensonne auf der Terrasse auf und Kathy zeigt uns später noch die durch das Buch bekannt gewordenen gefrorenen Mauswürstchen.
 

Der Raum für die jährlich etwa 800 Kornatternachzuchten war zu dieser Jahreszeit fast völlig leer. Einge Tiere, die Kathy selbst für Zuchtprojekte bekommen oder zurückbehalten hat, konnte sie uns zeigen. Darunter auch Opals (amelanistische Lavender), die sie 2005 das erste Mal nachgezogen hat und von denen sie natürlich die meisten Jungtiere selber behalten hat. Zum Zeitpunkt unseres Besuches (2006) war diese Farbvariante gerade sehr gefragt.

 

Daneben gab es noch einige Python Jungtiere. Seit 2003 beschäftigen sich Bill und Kathy auch mit Farbzucht der Königsphyton. Gründe hierfür ist der preislich sinkende Markt für Kornnattern in den USA. Bill und Kathy leben neben der Tierfotografie vom Verkauf der Tiere.

In der zweiten Garage waren dann die Zuchttiere untergebracht. Rundherum an den Wänden des großen Raumes waren Racksysteme (Schubladensysteme) angebracht.
Da die Kornnatter in Florida beheimatet ist, brauchen sich Bill und Kathy keine Gedanken über Beleuchtung und Beheizung machen, sie brauchen nur ein Fenster und eine gute Belüftung.


Wir arbeiten uns von rechts nach links durch den ganzen Raum vor und waren gespannt, was uns in der nächsten Schublade erwarten würde. Viele der Tiere, die wir bereits aus dem Buch und dem Internet kannten, sahen in Natur noch viel schöner aus als auf Papier. Ein Tier schöner als das andere!
Besonders beeindruckend fanden wir die wildfang Okeetees und die sehr pinkfarbene Ghostlinie (Coral Ghosts) von Kahty. Auch das High-White Tier, welches im aktuellen Buch (2005) auf Seite 160 abgebildet ist, hätten wir sofort einstecken können. Leider ist ein Export aus den USA alles andere als einfach und bedarf einiger Erfahrung und einer langen Vorlaufzeit. So mußten uns also gedulden, bis die von uns ausgesuchten Tiere den offiziellen Weg nach uns zu Hause durchlaufen hatten. Als Resümee muss ich jedoch sagen, dass bis auf wenige spezielle Farbvarianten, die wir bei Bill und Kathy gesehen haben, die meisten in Deutschland ebenfalls und genauso schön zu bekommen sind. 

 

Natürlich fragten wir auch nach der berühmten Bloodred Zuchlinie. Leider hat Kathy nur noch zwei der ursprünglichen Tiere und verpaart diese wegen der gesundheitlichen Problemen der Nachzuchten nicht mehr untereinander, sondern kreuzt Blutsfremde Linien ein (Outcrossing). Die geht natürlich zu Lasten der Rotfärbung, kommt aber der Gesundheit der Jungtiere zugute. Und auf fitte und gesunde Nachzuchten kommt es schließlich an.


Nach einem sehr interessanten Gespräch und dem Austausch von Erfahrungen, wobei sicher wir am meisten partizipierten, ging unser Besuch dem Ende entgegen.

 

 

Zum Abschluß kam Kathy natürlich nicht am obligatoriesche Erinnerungsfoto vorbei. Nach letzten Touristentips von Kathy für unseren weiteren Urlaub in Florida verabschiedeten wir uns und machten wir uns wieder auf den Weg.

 

Danke für die Einladung, es war ein sehr schöner und interessanter Tag!

 

Miriam & René

 

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